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Zitat der Woche

- Das Nützliche allein ist nicht lebensfähig. - — Alexander Kluge

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Politik. Bildung. Design.

Die vergessene Dreifaltigkeit – Schauen wir genau hin: Alle drei Begriffe beschreiben den gleichen Prozess, der zu einer Ordnung von einzelnen Informationen, Ideologien, Einheiten führt. Alles soll sich im Ganzen fügen, verbinden, sammeln, formen. Politik gestaltet unsere tägliche Ordnung. Auch wenn wir es nicht zugeben, wir bevorzugen es, alles in verlässlichem Zustand vorzufinden. Laut einer der gängigsten Definitionen lässt uns Bildung “mehr Mensch sein” – Der gesellschaftskritische Schriftsteller Wilhelm Raabe stellte zurecht fest: „Dem ungebildeten Menschen erscheint alles als Einzelheit, dem Gebildeten alles im Zusammenhange. (…)“. So fügt sich Design nahtlos hier an und gibt diesem Streben nach Struktur und Zusammenhang schließlich die Form. Doch inwiefern ist diese Kenntnis von dieser Dreifaltigkeit für uns Designer dienlich?
Die Parallelen in der Zielsetzung schaffen Gemeinsamkeiten zwischen Politik, Bildung und Design. In der Rückschau waren diese Themen eng miteinander verflochten: ohne nun hier eine längere Abhandlung über das Bauhaus oder die Ulmer Schule anzubringen, doch genau dort beeinflussten sich alle drei Gebiete vorbildlich. Diese Institutionen hatten trotz elitärer Attitüde das geschafft, was uns heute abhanden kommt: der wahrnehmbare politische Einfluss des Gestaltungsstudiums sowohl nach Außen, in die Gesellschaft, als nach Innen, in die universitären Bildungsysteme. Die Ausbildung war nicht nur ein Mittel zum Zweck. Sie wurde als eine bildungsschaffende Einheit betrachtet. Das Formende nicht nur in der industriellen Produktion, sondern auch am Leben selbst, wurde in großer Ernsthaftigkeit betrieben und wahrgenommen. Zugegeben, die Grundbedingungen von Bildung haben sich seither verändert. Die mediale Welt hat sich komplett gewandelt. Der Zugang zum Wissen, die Beschaffung von Informationen ist direkter. Die Spontanität und Mobilität der Designer ist besser denn je. So wundert es, warum es nun nicht erst recht zu mehr politischer Handlung im Design kommt, wieso Designer als unglücklich ironisierend die „digitale Boheme“ bezeichnet werden, warum Designstudenten sich kaum politisch engagieren und weshalb das Design keinen revolutionären Effekt mehr besitzt.
Wann stand Design zuletzt mit einer erstaunlichen Headline in der Zeitung? Doch Moment, da war doch was … – Das durchaus unterhaltsame Buch “Wir nennen es Arbeit” wagte einen Schritt nach Vorne. In manifestartigem Jargon erklärte es dem Leser das Dasein des Kreativen. Leider verpasst das Buch dabei die Chance, unser Berufsfeld so zu beleuchten, wie es de facto im Allgemeinen ist: strukturierter, regulierter und lokaler als angenommen.
Wenn wir aufhören würden, uns als Nomaden, Exoten und / oder Situationsopportunisten darzustellen, würden wir ernster genommen. Ebensowenig können wir es uns hinter einem Profil bequem machen, das starr und eindimensional ist: Kreativ sein bedeutet Freiheit, Unabhängigkeit und Spontanität. Doch das ist nur möglich, wenn zuvor auch die gesellschaftlich-politischen Rahmenbedingungen wahrgenommen werden. Hier betritt wieder die eingangs erwähnte Ordnung die Bühne; Chaos wird oft mit Kreativität gleichgesetzt, ist aber nicht dasselbe!
Die Rolle des Designs als Alternative zu hergebrachten Konventionen, als innovationstreibende Kraft, hat im persönlichen Leben der Designer oft zur Folge, dass sie sich nicht gerne in Programme und Parteien integrieren. Historisch gesehen gehört zur Gestaltung zumeist eine starke linke Position – die Aufgabe, gute Produkte, Bauten, – ein neues Leben gar – für die Massen zu kreieren, gehörte zu diesem Bild. Und heute? Man weiss gar nicht, ob die Krise der Linken auf die Gestalter durchschlägt oder umgekehrt – und welche Positionen diese traditionellen Denkmodelle abgelöst haben. Und wenn die Piratenpartei sich als einzige um Belange wie z.B. Urheberrechte kümmert, zieht sie sicher auch viele Kreative an, die sich wohl um die Diskussion des Themas auf politischer Ebene früher eher nicht geschert haben.
Es ist verständlich, dass bereits im Studium durch ein neues strafferes Curriculum zuwenig Zeit bleibt, sich in der Politik zu engagieren. Zusätzlich fehlt sicher auch die Motivation, da die Auswirkungen politischen zivilen Handlungen zu gering erscheinen. Unter dem Strich bleibt demnach nicht viel Spielraum für Revolutionen, auch wenn auf dem Schreibtisch durchaus welche stattfinden, mitunter sogar im staatlichen Auftrag bestellt und bezahlt von uns, den Bürgern. Und hat man schon Mal die Möglichkeit, etwas zu verändern (Wahlen), so fällt einem das Zitat von Carl Sandburg ein: “Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin.”
Design ist weder reine Dienstleistung, noch liebes Hübsch-Machen. Gestaltung ist gleich Inhalt und dieser kommt nicht von Alleine! Wir müssen uns selbst darum kümmern! Für das Niveau der Inhalte und das Wissen um die Wirkung von Design in der Gesellschaft sind wir zuständig. Denn wer immer nur unter den Normstandards lauert, wird letztlich weder geliebt und noch gefürchtet werden.

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Kommentare
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Beiträge : 3
    Gepostet: Kai Rosenstein am 5 August 2010

    Auch wenn der Autor anscheinend lieber anonym bleibt: ein engagierter Text zur Verbindung von Politik, Bildung und Design. Schade finde ich die zitierten “Begriffsdefinitionen” – erstens in Ihrer Definitivheit und zweitens in ihrer Unkommentiertheit durch die Autoren. Kritik sollte eigentlich von beidem das Gegenteil sein und letztlich sogar sich selbst misstrauen, oder?

    Gepostet: admin am 5 August 2010

    Hallo Kai, Danke für Deinen Kommentar.

    Artikel, die keine Angabe über den Autor enthalten, sind gemeinsam von Birgit S. Bauer, Nicole Birlenbach und Michael Okraj verfasst und erscheinen in Print-Format in der Zeitschrift NOVUM – unter dem Label unserer Initiative.
    Zum Element der Begriffsdefinition: Der Passus ist hier im Sinne einer “sprachlichen Definition von Neuem” gemeint. So prägen gute Kritiker Begriffe für Tendenzen, Sichtweisen und Phänomene. Es geht also nicht um Dogmen jeglicher Art. Begriffsfindung kann z.B. helfen, bestimmte Phänomene überhaupt erst für eine Diskussion zugänglich zu machen. Ich hoffe, jetzt haben wir etwas Licht ins Dunkel gebracht.

    Gepostet: Birgit am 6 Dezember 2010

    Jürgen Siebert geht in seinem Kommentar “Fundsache” in der Zeitschrift PAGE teilweise auf das Thema ein –

    http://www.page-online.de/emag/szene/artikel/macht_euch_schuldig_

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