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- Das Nützliche allein ist nicht lebensfähig. - — Alexander Kluge

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Limited Edition

Der geordnete Kristallpalast

Limited Edition. Prototypen, Unikate und Design-Art-Möbel

Sophie Lovell (Autor)

Birgit S. Bauer (Rezension)

Rezension erschienen am 16. April 2009 auf Artnet.de

Sophie Lovell: „Limited Edition. Prototypen, Unikate und Design-Art-Möbel“. Birkhäuser Verlag, Basel, Boston, Berlin 2009. 255 Seiten, 380 Abbildungen in Farbe. ISBN: 978-3764388-94-2. EUR 49,90

„Limited Edition“ ist das neue Schlagwort im Möbeldesign. Die Nachfrage nach Einzelstücken steigt. Mit Prototypen, Unikaten und limitierten Produktserien zelebrieren Designer einen Individualitätskult für alle Preisklassen: Möbelprototypen, schon immer Teil des industriellen Entwurfsprozesses, werden jetzt aus der Werkstatt geholt und als Verkörperung eines allerneuesten Trends der Öffentlichkeit vorgeführt. Einzelstücke, exklusiv und mit handwerklicher Note, werden im Global Village mit seinen standardisierten Waren zu begehrten Objekten. Limitierte Editionen befriedigen den Sammlerhunger nach Objekten, die als Möbelskulpturen die Grenze zwischen Design und Kunst auflösen und so auch einen neuen Kader von Design-Galeristen hervorgebracht haben.

„Limited Edition“ ist auch der Titel einer Publikation, die diesen Phänomenen auf den Grund geht. Auf den ersten Blick ist sie eines von vielen, modisch gestalteten Design-Bilderbüchern. Zu trendig mutet die Grafik des Covers im Hinblick auf den dokumentarischen Duktus des Bandes an, der die wichtigsten Werke zeitgenössischer Designer, deren Galeristen und die entsprechenden Auktionshäuser vorstellt. Doch das Buch hat es in sich. Zwar äußert die Autorin in der Einleitung die Befürchtung, es könnte altmodisch sein, gerade neue, experimentelle Designobjekte in Kategorien einzuteilen – aber genau das ist das große Verdienst dieses Buches. Dabei schreibt die in Berlin lebende Britin Sophie Lovell als Journalistin für verschiedene internationale Designzeitschriften und hat bereits 2007 mit „Furnish“ ein Buch vorgelegt, das sich mit zeitgenössischem Design befasst. Ihre Kenntnis der internationalen Szene schlägt sich auch in „Limited Edition“ nieder. Eine große, differenzierte Auswahl amerikanischer und europäischer Designer und Galerien wird hier vorgestellt. Die fünf Kapitel „Prototypen“, „Unikate“, „Auflage X“, „Die neuen Mäzene“ und „Auktionen und Ansichten“ geben dem Buch einen Rahmen, ohne starre Bewertungen vorzunehmen. Sie bauen aufeinander auf und gehen ineinander über, und so leitet der Text den Leser durch die einzelnen „Lebensphasen“ eines Designobjekts – von der Fertigung bis hin zum Verkauf in Galerie und Auktion.

Lovell präsentiert zwar auch bekanntere Objekte etwa von Matali Crasset, Tord Boontje oder Arik Levy, von Johanna Grawunder oder auch Rolf Sachs – aber nie um ihrer selbst willen, sondern vor dem Hintergrund der jeweiligen Fragestellung eines Kapitels. Warum ist ein bestimmtes Objekt limitiert? Weil es aus Fundstücken zusammengesetzt ist? Oder eignet sich das wertvolle Material nicht für eine Serienfertigung in größerem Umfang? Hier findet man auch die unterschiedlichsten Ursachen und Motive der Designer, in den Galerie-Markt einzusteigen. Für Max Lamb beispielsweise war der Grund das frühe Scheitern als Industriedesigner, für andere bot sich so die Möglichkeit, sich mit den Erlösen von Design-Art Zeit für Experimentelles zu erkaufen, wie Jurgen Bey und Hella Jongerius es sehen.

Aber Lovell beleuchtet eben auch die Vertriebsseite. In welcher Rolle sehen sich die Galeristen wie das Ehepaar Krzentowski von der Galerie Kreo in Paris oder Versteigerer wie Richard Wright vom Auktionshaus Wright in Chicago? Als Mäzene, die dem Design den verlorengegangenen Raum zum Experimentieren ermöglichen, oder als Therapeuten für eine Kundschaft, die im Design eine neue Möglichkeit zur Selbstrepräsentation gefunden hat? Ist das Design für Galerien lediglich ein weiteres Marktsegment, ein rein kommerzielles Phänomen, wie es die Kritikerin Alice Rawstorne unterstellt? Kann dies auf lange Sicht ein gesunder Markt sein? Lovell hat Prognosen von Kritikern, Galeristen und Auktionatoren, darunter James Zemaitis von Sotheby’s, gesammelt, die aus vielen Interviews gewonnenen Aussagen aber für sich stehen lassen. Die Wertung liegt also beim Leser. Wer es dabei eilig hat, dem hilft Lovell, indem das Layout die Zitate über runde Einklinker herausstellt.

Die Bildstrecken sind sorgfältig komponiert, oft werden mehrere Objekte eines Designers auf Doppelseiten gezeigt oder aber Objekte nach ästhetischen Ähnlichkeiten gruppiert. Auch hier ist es wieder die Ordnung, diesmal die visuelle, die den Reiz und die Leistung des Buches ausmacht. Anhand der Abbildungen kann der Betrachter ästhetische Tendenzen ausmachen, die über Text allein nicht transportiert werden können. Farbigkeit, verwandte Materialien oder formale Aspekte werden behutsam nebeneinandergestellt: So zeigt beispielsweise eine Doppelseite Scivolando, Alessandro Mendinis zackig-verwinkelten Stuhl aus Spiegelplatten, neben Martino Gampers Unique Secretaire Cabinet, einem Remix alter Gio-Ponti-Möbel, der die Zackigkeit im Dekor fortsetzt. Vielen Objekten verleiht die Kombination mit anderen Abbildungen zusätzlichen Reiz. So macht es einfach Spaß, Maarten Baas’ Chinese Objects, ein ineinanderverschachtelter Haufen aus hölzernen China-Möbeln, neben Zaha Hadids futuristischen Mesa zu sehen, oder Vincent Dubourgs Napoleon à Trotinette, einer Kombination aus gebogenen Ästen und einer Empire-Tischplatte, neben dem Bad Club Chair des Atelier Van Lieshout. Geradezu seltene Einblicke gewähren etwa die Aufnahmen vom Fertigungsprozess von Tokujin Yoshiokas Eternal für den Swarovski Crystal Palace, wie übrigens viele der hier gezeigten außergewöhnlichen Werkstattbilder und Installationsansichten. Durch die rigide Ordnung des Buches wird selbst der etwas hysterische Swarovski Crystal Palace, im Rahmen dessen Swarosvki während der Mailänder Möbelmesse bekannte Designer zur Arbeit mit den Glitzersteinchen einlädt, auf ein zurückhaltendes Maß gestutzt.

Den Abschluss des Buches bildet ein alphabetisches Register mit Miniatur-Textportraits und Web-Adressen zu allen im Buch Genannten. So leistet die Publikation zusätzlich den Dienst, ein übersichtliches Merkheft der wichtigsten Beteiligten der Design-Art-Szene zu liefern. Da verzeiht man ihr gerne, dass die Typografie etwas zu trendig ist, vielleicht eine Botschaft an das breite Lifestyle-Publikum. Vor allem die Wahl der Leseschrift handelt dem Buch den Touch des Modischen ein, den es eigentlich gar nicht braucht.

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