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Designliteratur: Architektenmöbel

Zu allererst überzeugt „Architektenmöbel“ durch seine Haptik. Die Schlangenleder-Prägung fühlt sich gut an und gibt dem Bildband einen unaufdringlichen, aber interessanten Look. Die Schrift wirkt dadurch an den Rändern unscharf. Trotz der klaren Typografie liegt über dem Cover ein Hauch von Weichzeichnung. Die Publikation des Museums für Angewandte Kunst Köln (MAKK) begleitet die Ausstellung: „Von Aalto bis Zumthor: Architektenmöbel“ vom 16.1. – 22.4.2012. Chronologisch werden exklusive, von Architekten entworfene Möbel aus den letzten 100 Jahren gezeigt. Der Katalog ergänzt die Präsentation durch mehrere kurze Textbeiträge.

 

Sitzmöbel stehen dabei eindeutig im Mittelpunkt. Schon beim ersten Durchblättern entfaltet sich die ganze Poesie der Typenbezeichnungen. „Sitzmaschine“, „Kleiner Postsparkassenstuhl“, „Mod. F 51“. Oder: „Soloform 5008“, „Ameise“, „Vodöl“ und „Torq“. Schnell wird aber auch deutlich wie konventionell die Auswahl der gezeigten Stücke ist. Sie ist fixiert auf den in den 1980er Jahre entworfenen Kanon an „Designklassikern“, der aus der Kritik der Postmoderne entstand. Aber vor allem ein Produkt von Marketingabteilungen ist, um das Geschäft mit den neuen Göttern des Design-Olymps anzuheizen. Der dort festgezurrte Blick auf die Geschichte ist heute außerhalb des Mainstreams längst als interessengesteuerte Konstruktion aufgeweicht. Bei „Architektenmöbel“ schlägt er aber voll durch. Exemplarisch dafür: bis auf die omnipräsente Zaha Hadid erscheinen Frauen – gelinde formuliert – unterrepräsentiert. Das Klischee steht. Architekten sind Männer. Hier sind Möbel von ihnen zu sehen. Frauen dagegen schreiben nur darüber.

 

Doch der Bildband begibt sich auch in interessantere Gewässer, indem er versucht der Vorliebe von Architekten für die Gestaltung und Anordnung von Sitzmöbeln nachzuspüren. Die Hinweise auf die Gruppierung von Stühlen, Sofas und Tischen in Wohnzimmern aus dem „Nachklang höfischer Sitzreglementierung“ und geprägt von bürgerlichen Hierarchien sind erhellend. Ebenso ihre langsame Veränderung durch den zentralen Einzug des Fernsehers in den 1950er Jahren und die Auflösung im Gefolge der politischen Strömungen ab Ende der Sechziger Jahre. Zugleich beleuchten die Texte auch die extreme Häufung von Entwürfen von Stühlen und Sesseln aus dem Selbstverständnis der Architekten der Moderne. „Die Architekten glaubten fest daran, dass sie das Verhalten der Menschen, die in ihren Räumen arbeiteten und wohnten, durch ihre Gestaltung formen konnten.“ So verwundert es nicht, dass sich diese Neigung zu struktureller Gewalt bis heute im Design von Sitzmöbeln zu verwirklichen sucht. Gerade Stühle und Sessel scheinen den direkten Einfluss auf die positiv verstandene Kontrolle über den menschlichen Körper und seine Haltung im Raum zu garantieren.

 

Für Einsteiger zum Thema liefert „Architektenmöbel“ ein gutes, erstes Kompendium. Dafür wäre es aber auch sicher von Vorteil gewesen, die abgebildeten Exponate nicht nur in Ausnahmen aus verschiedenen Perspektiven zu zeigen. Dass die Angaben zu Maßen und Materialien erst im Anhang erfahrbar sind, scheint dagegen der klaren und reduzierten Darstellung des Bildteils geschuldet. Insgesamt also ein gelungener Appetizer für einen Besuch vor Ort. Und: eine Reise nach Köln ist ja eigentlich nie verkehrt.

 

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