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Everybody has a plan until they get punched in the face. — Mike Tyson

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Entschuldigung, wer von Ihnen erträgt hier die Verantwortung?

Entschuldigung, wer von Ihnen erträgt hier die Verantwortung? – Oder wie wenig können wir planen?

„Es gibt Berufe, die mehr Schaden anrichten als der des Industriedesigners, aber viele sind es nicht. Verlogener ist w ahrscheinlich nur noch ein Beruf: Werbung zu machen, die Menschen davon zu überzeugen, dass sie Dinge kaufen müssen, die sie nicht brauchen, um Geld, das sie nicht haben, damit sie andere beeindrucken, denen das egal ist, – das ist vermutlich der schlimm ste Beruf, den es heute gibt. Die industrielle Formgebung braut eine Mischung aus den billigen Idiotien zusammen, die von den Werbeleuchten verhökert werden, und landen damit gleich auf Rang 2.(…)“ mit diesen Worten läutet 1971 der gebürtige Wiener Designer und Architekt Victor Papanek sein Buch „Design für die reale Welt – Anleitungen für eine humane Ökologie und sozialen Wandel“ ein. (A.d.R. es wurde 1984 Aktualisiert und in über 20 Sprachen übersetzt).

Der kurze Exkurs soll verdeutlichen, wohin sich eine Konsumgesellschaft bewegt, die ihr Handeln nicht hinterfragt und insbesondere ihre Rolle des Gestalters als Produzent. Während Papaneks Textpassage von der Unbedachtheit des Industriedesigners spricht, möchten wir den Blick auf die soziale Verantwortung der gesamten Creative Class von Architekten, Designern und Künstlern richten. Tagtäglich gestalten Menschen Prozesse, Produkte und optimieren Vorgänge, finden Lösungen für die komplexe Welt. Ein Rad, welches nie stillzustehen scheint. Ein Gefüge, das nicht dafür ausgelegt ist, um zu pausieren. Aber wer sieht das große Ganze? Wer verantwortet die Planung? Die Politik? Die Antwort ist schlicht und traurig zugleich: NIEMAND – hier zählt nur die Gewinnmaximierung und nicht mehr die Einzelteile, die ein Produkt ausmachen.

Nun kann man natürlich auch zum Gegenmodell aller Lucius Burckhardt übergehen und wie in dem einleitenden Titel bereits zitiert fragen „(…) wie wenig Planung braucht die Welt?“. Und wäre es nicht wunderbar, wenn die kreative Autorenschaft wie z.B. die Bildende Kunst nicht mehr als fertiges Werk, sondern als erweiterbar anerkannt werden könnte. Jackson Pollock kreierte zwar den Stil des „Action Painting“ aber wartet bis heute darauf, dass jemand einen weiteren Layer darüber legt. Wieso sind wir nicht schon früher darauf gekommen? Produkte sind nie fertig und werden auch nie das planerische Endstadium erreichen, da sie der nächsten Generation noch Möglichkeiten bieten sollen, Dinge und Prozesse zu optimieren. Unter dieser Prämisse kann uns natürlich auch ein Wort wie Ressourcenknappheit völlig kalt lassen, weil es ein Problem darstellt, welches andere lösen müssen. Und wenn man dann noch unter architektonischen Gesichtspunkten die Maßstäbe der Produkte ändert, erscheint die Welt als riesengroße Spielwiese von Akteuren, die nur im Jetzt denken und handeln.

Auch wenn aus diesen Zeilen eine kultur- und konsumkritische Haltung spricht, gibt uns die Gegenwart Grund zur Hoffnung. Neben facebook und anderen sozialen Netzwerken, etablieren sich Initiativen, die sich wie designkritik.dk mit Themen beschäftigen, um das Bewusstsein zu schärfen. Egal ob Stuttgart21 oder die Kämpfe im Nahen Osten, das 21. Jahrhundert hat für sich ein neues Medium geschaffen, um sich aufzulehnen. Der deutsch-französische Diplomat Stéphane Hessel (Jahrgang 1917) formuliert es in seiner jüngst erschienen Publikation mit den Worten: „Ich wünsche allen, jedem Einzelnen von euch einen Grund zur Empörung. Das ist kostbar. Wenn man sich über etwas empört, wie mich der Naziwahn empört hat, wird man aktiv, stark und engagiert.“

So lasst uns aufbrechen, die Welt aus einer verantwortlichen Designhaltung zu entwickeln.

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Kommentare
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Beiträge : 1
    Gepostet: Markus S. am 5 Juli 2011

    Papanek thematisierte als erster die ethische Verantwortung des Industriedesigners. Er vertrat jedoch die Meinung, dass die wachsende Technisierung der Menschheit umgekehrt werden müsse, weil Großes niemals funktioniere (Vgl. Papanek, S. 1984, S.11). Papaneks Technologieresignation scheint dem Umstand geschuldet, dass es ihm an einem brauchbaren Konzept und Instrumentarium zum produktiven gestalterischen Umgang mit komplexen Systemen mangelte. Ein Designer, der die Komplexität seines Planungsgegenstandes nicht in Rechnung stellt, hat in der Tat schlechte Chancen, die Lebensqualität und Lebensfähigkeit des Gesamtsystems, dessen Teil sein Produkt sein soll, zu gewährleisten. Ein biokybernetisches Design dagegen kann, so meine Gegenthese, den Widerspruch zwischen Technologie und Ökologie auflösen und beide Seiten in eine koevolutive und symbiotische Wechselbeziehung überführen. Ein geeigneter Ansatz könnte beispielsweise das Cradle to Cradle Design-Konzept darstellen. In Abgrenzung von diesem vielversprechenden Ansatz ließen sich im Rahmen der Biokybernetik mit ein wenig Kreativität weitere funktional äquivalente (die dauerhafte Lebensfähigkeit der Industriegesellschaft sichernder) Design-Konzepte formulieren und diskutieren…

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