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- Das Nützliche allein ist nicht lebensfähig. - — Alexander Kluge

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Mit Inhalt – die neue form

Die neue form Nr. 245 titelt plakativ: ME – WE. Es ist das Kürzel des „Focal Theme“: Sharing – vom Ich zum Wir. Nicht gerade am Puls der Zeit, wo doch Sharing und sein politischer Arm (die Piratenpartei) inzwischen einen schlechten Ruf bekommen haben? Macht doch nichts! In der form wird hinterher- und nachgedacht.

Was ist dran am Sharing, jenseits des Hypes? Chefredakteur Stephan Ott denkt in seiner Einführung „Schart Euch“ für uns: Teilen? – Machen wir doch eigentlich seit Kindesbeinen ungern! Naja … mmh … tja – wirklich? Das Thema ist damit eigentlich gleich Eingangs erledigt. Denn was Ott da zeichnet ist ein Menschenbild: Der Mensch ist doch recht eigentlich egoistisch. Warum sollte dieser Mensch dann teilen, wenn es so gegen seine Natur ist?

Ott findet, er sollte, denn es ist „notwendige Voraussetzung von Weiterentwicklung“. Ausgerechnet Genossenschaften sollen dafür als „erfolgreiche Beispiele“ dienen. Dabei sind diese oft, wie die Bauerngenossenschaften im 19. Jhd., aus der Not geboren. Um die kapitalistische Konkurrenz auszuhalten, haben sich Bauern zusammengeschlossen.

Sharing ergänzt also das normale privatwirtschaftliche Treiben, macht es für einige aushaltbarer, aber schafft die Gründe für die Notlagen nicht ab. Dann hat es auch seine Grenzen: die Gründe fürs Sharing fallen weg, wenn der Laden (wieder) läuft, Gewinne eingefahren werden. „Verkehrte Welt“, findet Ott. Und wirft Firmen wie MakerBot, die mehr und mehr von Open Source Ideen Abstand nehmen „Sharewashing“ vor. Angesichts dieser Ernüchterung erscheint es unglaubwürdig, wie Ott uns am Ende noch versichert, dass das Design „geradezu prädestiniert für das Sharing“ sei.

Pia Volk prüft im nächsten Beitrag diese wackelige These. Sie setzt sich mit der Idee des Open Design und dessen Aktivisten Ronan Kadushin und Van Bo Le-Mentzel auseinander. „Warum sollte eine Idee oder ein Design einem Einzelnen gehören?“, fragt Kadushin. Gegen diese Naivität hat Pia Volk nichts einzuwenden. Auch Le-Mentzels Idealismus kann sie nicht stoppen. Die eine wiederkehrende kritische Frage, die sie hat ist, ob man damit Geld verdienen kann. Man redet also aneinander vorbei. Im Resultat ist das Sharebashing.

Weiter geht es mit Stefan Raulfs Bericht zur Lage des Cover Artworks im Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit von Musik. Justin McGuirk stellt die britische Plattform Kickstarter vor, ein Marktplatz für Stadtentwicklungsprojekte.

Schließlich spricht Peter Wesner, der form-„Investor“ über Knowledge Sharing in Betrieben. Und damit erreicht das Thema seinen vorläufigen Bestimmungsort. Sharing soll innerhalb des Betriebs stattfinden. Denn das Wissen der Mitarbeiter gehört ja wohl dem Betrieb! Damit ist auch klar: „Großartige Ideen dürfen [...] nicht mit dem Wettbewerber geteilt werden.“ So weit darf Sharing natürlich nicht gehen! Die Frage ist, wie es für sich als Unternehmer nutzen? Mit „Anreizsystemen“ kann man es großziehen, dann kann man das liebe, zarte Pflänzchen Gemeinschaft im Unternehmen eintopfen, damit es dort für „nachhaltigen Erfolg“ sorgt.

Mit der dritten Ausgabe unter dem neuen Redaktionsteam (der ehemalige Chefredakteur Gerrit Terstiege macht nun die GRID – wir berichteten) bekommt der Leser einiges zum Nachdenken. Sharing, das wird deutlich, eröffnet eine Menge ernster politischer Fragestellungen, die schnell über das Design hinaus weisen. Wenn der normale Geschäftsbetrieb in privatwirtschaftlicher Konkurrenz abläuft, kann das Sich-Zusammenraufen und Teilen nur Not- oder Zwischenlösung sein – auf dem Weg zurück zu eben jenem Geschäftsbetrieb. Denn kein Sharing-Verfechter will diesen angreifen, sondern gleich Alternativen anbieten. Dass Sharing-Ideen sich allerdings prima in „nachhaltige“ Erfolgsstrategien für ganz normale Unternehmen übersetzen lassen, führt Peter Wesner vor.

Eine echte Ent-Täuschung also, die neue form! Aber gerade damit liefert sie ein Beitrag zur Versachlichung der Debatte – und diese Leistung kann man ihr hoch anrechnen.

Form – The Making of Design, Nr. 245, Januar/Februar 2013. Einzelheft 16,90€ (deutsch/englisch)

www.form.de

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