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Prouvé über alles! Deutsches Design auf der Design Miami/Basel

Prouvé über alles! Oder was hat deutsches Design auf der Design Miami/ Basel zu bieten? Ein kurzes Statement zum Messebesuch in Basel

Basel, 14. Juni 2011: Während sich auf dem Messegelände in Halle 1.0 und 2.0 das gehobene Klientel der Kunst- und Finanzkreise auf der Art Basel vereinte, bot die jüngere und nützliche Disziplin ‚Design’ einen wohltuenden Gegenpol. Unter der neuen Direktorin Marianne Goebl stellte die diesjährige Design Miami/ Basel eine zum größten Teil, sehr sehenswerte Gesamtkomposition dar. Daran maßgeblich beteiligt war neben den internationalen Ausstellern, die gelungene Standarchitektur der Amerikaner Aranda/Lasch (Architekten). Auf der Messe für Designeditionen, deren Exponate sich an der Schnittstelle zur Kunst befinden, präsentierten 42 Aussteller eine Mischung aus Klassikern angefangen von Le Corbusier bis hin zu zeitgenössischen Größen und Newcomern. Der gemeinsame Nenner lautete: limitiert und kostspielig.

Was ist uns in Basel aufgefallen? Der am häufigsten gesehene zeitgenössische Designer scheint ohne Zweifel der Israeli Arik Levy zu sein. Gefolgt von Jean Prouvé, dessen Fertighaus-Entwürfe bei zwei Pariser Galerien (Jousse Entreprise und Patrick Seguin) zu bestaunen waren. Ganz gleich wie abwechslungsreich auch die ein oder andere Galerie ihren Stand bestückte, ob mit Studio Job, Atelier Oï, Studio Makkink & Bey, Jaime Hayon oder dem Enfant terrible des zeitgenössischen Designs Maarten Baas – gäbe es eine Auszeichnung für den besten Länderbeitrag, ging dieser unbestritten an Frankreich. In der Kategorie Einzelpräsentation brillierten: Pierre Charpin (Galerie Kreo, Paris), Nicolas Le Moigne (Helmrinderknecht, Berlin) sowie Mathieu Lehanneur (Perimeter Art & Design, Paris) – erwähnenswert sei an dieser Stelle auch der Brite Max Lamb (Johnson Trading Gallery, New York).

Aber was kann man auch anderes von einem Land erwarten, das Gestalterpersönlichkeiten wie Charlotte Perriand, Serge Mouille und Jean Prouvé hervorbracht hat. 

Um Klassiker ging es auch bei Ulrich Fiedler, der Kölner Designgalerie, die im Jahr 2008 nach Berlin umzog. Dem Besucher wurde eine Auswahl von Breuer-, Rietveld-, Dieckmann, Castelli Ferrieri-Objekten präsentiert und einem Tisch-Highlight von Friedrich Kiesler, der österreichische Architekt, der im Jahr 1942 die Gestaltung für Peggy Guggenheims Galerie ‘Art of This Century’ entwarf. In der Liga der zeitgenössischen deutschen Vertretungen stach die in Berlin ansässige Galerie Karena Schuessler hervor. Sie präsentierte junge Gestalter, die nicht nur mit Materialität und Formgebung experimentierten, sondern auch mit Humor. Oskar Zieta weitete seine Blow-Up-Technik auf eine Tischedition aus und die Niederländerin Judith van den Boom spielte mit einem Trompe-l’œil-Effekt, indem sie in aufwendiger Brenntechnik Sitzflächen aus Porzellan herstellte, die visuell mit der Metapher eines mit Federn gefüllten Kissens spielte. Viel strenger und grafischer hingegen präsentierte sich der Produktdesigner Robert Hoffmann, den man in diesem Jahr auch erstmalig auf der Mailänder Möbelmesse sehen konnte. Sein Entwurf von einer dynamischen Wandleuchte, die fast schon an eine Kunstinstallation erinnert, überzeugte nicht nur aus technischer Sicht, sondern ließ den Benutzer zum Gestalter von Lichtlinien werden.

Robert Hoffmann

 

Galerie Karena Schuessler

Resümierend bleiben weiterer Highlights zu erwähnen: Piet Hein Eek bei Rossana Orlandi (Mailand), Grcic bei Kreo (Paris), Random International sowie Robert Stadler bei Carpenters Workshop (London) und um die Aufzählung nicht ins endlose auszudehnen – die Maxime bleibt: was gut ist, findet seine Beachtung! Daran ändert auch die Nationalität der Designer oder die Designstandorte der Galerien nichts.

Die diesem Sinne überzeugte ebenso die Kooperation des Magazine Stores ‚Do you read me?!’ mit dem finnischen Möbelproduzenten artek. Bereits zum zweiten Mal stellten Jessica Reitz und Mark Kiessling eine Auswahl von ihrem Berliner Sortiment aus. Hinzu kam die sympathische Fortsetzung der ‚Reading Lists’, wo Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Design ihre liebsten Lektüren – zwischen Nachttisch und Studio verraten.

Piet Hein Eek

Abschließend bleiben die Einzelpräsentationen im Design on/Site-Bereich neben den ausgewählten Sponsorenprojekten im Obergeschoß zu erwähnen. Dort reihten sich Hella Jongerius neue Tischkreation neben Swarovski Crystal Palace-Projekt auf gleicher Sichtachse mit den diesjährigen Preisträgern des ‚W Hotels Designers of the Future’-Awards – ausgezeichnet wurden Asif Khan (London), Mischer’Traxler (Wien) sowie Studio JUJU (Singapore).

Asif Khan

Die Design Miami/ Basel stellte eine interessante Abwechslung für alle gelangweilten Museum für Angewandte Kunst-Besucher dar und lädt im Winter zur Zweitveranstaltung ins sonnige Miami Beach ein, wo gerade erst das 65 Millionen US-Dollar-Parkhaus ‚1111 Lincoln Road’ des Schweizer Architekturbüros Herzog & de Meuron fertig gestellt wurde.
An alle Architektur-, Kunst- sowie Designtouristen: HIN – wir sehen uns!

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