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- There’s a difference between making an imitation and selling it. - — Chris Hoefler

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Überkreativität = Minderbezahlung?

Welche Stadt fällt ihnen bei dem Begriff „Überkreativität“ ein? New York – das Kreativ-Mekka? Shanghai? London? Uns von designkritik fällt natürlich direkt Berlin ein. Warum? Jedem Deutschen sollte es nicht entgangen sein, dass die Hauptstadt auf ihre kreative Bevölkerung besonders stolz ist und auf das Image der rastlosen, trashigen und experimentellen Metropole setzt. Früher lautete das Argument für einen Umzug nach Berlin: günstige Lebenshaltungskosten, billige Mieten für riesige Ateliers – man könnte die Liste noch um zahlreiche Punkte erweitern. Aber seit selbst das Parken in Mitte Geld kostet, leitet sich folgende Fragestellung ab: wie gut verdienen die Hauptstadt-Kreativen eigentlich?

Nach wie vor ist es kein Geheimnis, dass die meisten Auftraggeber für das Berliner Kreativ-Wunder fernab des Bundeslandes Berlin sitzen. Im Dienstleistungssektor Design gilt wie anderswo auch das einfache Prinzip der Wettbewerbsfähigkeit, nämlich, „Wer ist der Günstigste? Der Tauschhandel mit der Ware Kreativität ist besonders das Design immer anfällig für offenherzig-leidenschaftliches Dumping gewesen, nicht nur in Berlin, sondern auch ortlos, im Web. Crowdsourcing-Plattformen wie designenlassen.de, auf der für Minimalbeträge minderkomplexe Designaufgaben von tausenden Designern gelöst werden – und sich jeder, sie selbst auch, fragt, warum die das machen. Kritiker dieser Verfahren wie z.B. Kommunikationsdesign-Professor Torsten Stapelkamp von der Hochschule Hof geben zu bedenken, welch immenser volkswirtschaftliche Schaden dadurch entsteht. Denn für die 200 Euro, die mitunter auf Plattformen wie dieser für ein Logo über den Tisch gehen, sind schließlich bei ca 50 Teilnehmern an dem Pitch über 200 Stunden gearbeitet worden! Das Web als Medium rückt  ohnehin bekannte Tendenzen des Designmarktes ins Rampenlicht: Die selbst gewollte Ausbeutung.
Eine Lösung des Problems sieht z.B. Stapelkamp darin, dass sich das Design endlich eine geschützte Berufsbezeichnung und eine Gebührenordnung zulegt, so wie die Architektur auch. Ebenso fordert er die Designer dazu auf, sich auf komplexe Probleme zu spezialisieren. Nur in diesem Feld, in denen eine Professionalisierung Voraussetzung ist, sei man sicher vor der Invasion der schlechten und minderbezahlten Design-Ware.

Natürlich ist es auch wichtig, die Konstitution des Patienten Kommunikationsdesigns zu untersuchen. Wie Sven Völker in dem zusammen mit dem Philosophen Peter Sloterdijk herausgegebenen Band„Der Welt über die Straße helfen“ (Wilhelm Fink Verlag)
in dem Problem seiner eigenen Sprachlosigkeit, und pfadfinderhaften Dienstbarkeit festsitzt, dann hilft auch Sloterdijks Erkenntnis vom Design als „Zeug zur Macht“ den Designern nicht weiter.
Denn der Alltag, das ist Kreativ-Tauschhandel, Kapitalismus! Und die Macht im Kapitalismus haben kurz gesagt meistens die mit den klarsten Vorstellungen von der Ware. Es herrscht unter Utopisten, wie Designer es nun mal sind, auch weitgehend die Vorstellung, es ginge auch irgendwie schöner, anders als unter harten Marktbedingungen. Es ist also nicht nur die Dummheit der Designer, die sie in die Ausbeutung treibt, sondern Idealismus.

Das kritische Nachdenken über diesen Sachverhalt braucht eine Frischzellenkur. Denn genervt haben sie ja schon immer, die Sonntagsreden der großen Design-Verbände, die sich nur allzu gerne in eine sehr mystische Übereinkunft über das, was Design dem Industrie- und Handelskammer-Mitglied für Mehrwerte bietet, flüchten. Zum Beispiel wenn sie so tun, als ob der Mythos der Kreativität jede Designleistung moralisch veredelt und es das Misslungene, die schlechte Erfahrung mit Designern auf Kundenseite gar nicht geben könnte.

Einen wichtigen Denkanstoß liefert aktuell Prof. Jörg Petruschat, bekannt als Herausgeber der Zeitschrift Form und Zweck, mit seinem „New Deal“ (Typo 2010). Er erinnert im Hinblick auf neue kollektive Ideengenerierung im Netz daran, dass es nicht nur den wirtschaftlichen Tauschhandel mit dem Anspruch der Äquivalenz gibt, sondern auch noch seine Vorstufe, den sozialen Tausch, bei dem es um andere Erwägungen geht als den Preis. Petruschat fordert die modellhafte Einrichtung geschützter Räume, in dem die Kultur eigene Tauschgepflogenheiten abseits der Wirtschaft etablieren kann. Als Beispiele führt er Droog oder Sottsass Associati an: „Nach innen offen und halbwegs sozial – nach außen hart verhandeltes Vertragsrecht.“ Damit bietet der Professor eine erfrischende, längst überfällige Formulierung davon, dass die Verhältnisse und Vernetzungen komplexer gedacht werden müssen als früher. Auch Überkreativität kommt nicht ohne die kritische Verhandlung von nicht-äquivalenten Tauschverhältnissen aus. Wer entscheidet über die Grenzen dieser Tauschdefinitionen? Das sind wir, die Designer, die ihr Geschick in die eigenen Hände nehmen, in Metropolen wie Berlin oder ortlos im Web.

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Kommentare
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Beiträge : 2
    Gepostet: ber am 9 August 2010

    Sehr treffende und schonungslose Analyse zu diesem Thema!

    Warum funktioniert bei den Architekten die Gebührenordnung nicht?

    Gepostet: Birgit am 6 Dezember 2010

    Jürgen Siebert geht in seinem Kommentar “Fundsache” in der Zeitschrift PAGE teilweise auf das Thema ein -

    http://www.page-online.de/emag/szene/artikel/macht_euch_schuldig_

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